Ich liebe die Bahn. Das war nicht immer so. Noch bis vor wenigen Jahren fuhr ich sehr gerne mit dem Auto. Warum ist mir eigentlich schleierhaft? Bis vor 30, 40 Jahren war Autofahren noch relativ entspannt. 1980 gab es 23 Millionen Fahrzeuge. Dreißig Jahre später schon 42 Millionen PKW und heute 61 Millionen.
Wohin soll das noch führen? Deutschland ist für diese unglaubliche Masse Autos mittlerweile viel zu klein geworden. Nicht Mister Trump sollte sich Grönland einverleiben, vielmehr sollte Bundeskanzler Merz ein Angebot auf den Tisch legen. Wir brauchen ein Grönland-Sondervermögen.
Außerdem macht Autofahren nachweislich krank. Sehr viele Autofahrer stellen ihr Auto gar nicht in ihre Garage, die genau dafür eigentlich mal gebaut wurde. Häufig lagern alte Steuererklärungen und Umzugskartons darin. Der Wagen steht dann an der Straße. Und gerne zur Hälfte noch auf dem Gehweg. Dabei gibt es in NRW eine Garagennutzungsverordnung. Brennbare Materialien zu lagern ist verboten und kann bestraft werden.
RB 50 Dortmund-Lünen-Werne-Ascheberg-Münster
Zurück zur Bahn, da kommt mehr Freude auf. In den letzten 2,3 Jahren fahre ich oft von Lünen nach Münster. Dem Internet und der DB-App sei Dank weiß ich frühzeitig, ob „Der Lüner“ pünktlich kommt, oder auch mal nicht. Was nicht schlimm ist, denn der „Flirt“, so heißt diese Baureihe, fährt stündlich.
Letzte Woche Freitag wollte ich mit dem RB 50 um 10:50 Uhr nach Münster. In der Regel steht in der Leuchtanzeige der Endpunkt, also Münster. Doch es leuchtete als Zielort „Ascheberg“ auf. Das sorgte für etwas Erstaunen, weil die Bahn überdies noch 5 Minuten früher in den Bahnhof einrollte, als vorgesehen.
Durch das geöffnete Fenster des Triebwagens fragte ich den Lokführer, ob es ab Ascheberg mit dem Schienenersatzverkehr weiterginge. Er antwortete nicht, obwohl ich ein zweites Mal ansetzte. Dann fiel mir ein, dass es verboten ist, den Lokführer anzusprechen. Ich laufe nach hinten, um trotzdem einzusteigen, da fährt die eurobahn schon los. Es ist genau 10:48 Uhr. Zwei Minuten früher als geplant. Warum laufe ich auch bis zur Zugspitze und will den Zugführer belästigen? Selbst schuld.
Fahrgastinformation
Bei Verspätungen oder Ausfällen habe ich mir es angewöhnt, das Bahnsteiggelände zu umrunden. Das hält fit. Alle anderen stehen auf der Stelle und starren in ihr Handy. Bedingt durch Verspätungen, die nun einmal nicht zu vermeiden sind im echten Leben, komme ich meinem Ziel, 3 Millionen Schritte/Jahr ein Stück näher. 2025 gegenüber 2024 konnte ich mich, dank Verspätungen der RB 50, um 348 Tsd. Schritte verbessern.
Lünen – Münster?
Manchmal ist es einfach besser, die Redewendung „Der Weg ist das Ziel“ ernst zu nehmen. Macht es immer Sinn, am Ziel anzukommen? Sollten wir nicht insgesamt in unserem Leben viel flexibler sein? Warum nach eineinhalb Stunden auf dem Bahnhof überhaupt noch Münster ansteuern? Die eurobahn und ihr geschultes Personal ist da schon viel weiter als ich. Also steige ich nach 1 ¾ Stunden in den nächsten Zug Richtung Münster. Schon am nächsten Haltepunkt gibt die Zugauskunft Entwarnung. Nach interner Rücksprache, so der Bahnsprecher, führe der Flirt noch eine Haltestelle weiter, bis Capelle. Wer nicht in Capelle – O-Ton – „stranden“ möchte, kann sitzen bleiben und nach Lünen oder Dortmund zurückfahren.
Ich entscheide mich, sitzenzubleiben. Genieße am Bahnhaltepunkt Capelle noch einige Minuten die Aussicht und dann gehts retour.

